Friedensgebet im Dunkeln nach einer Woche Krieg im Mittleren Osten

Fragen einer lesenden KAB-Frau, Anfragen eines nachdenklichen KAB-Mannes

Seit nunmehr einer Woche bombardieren die USA und Israel mit der flankierenden Unterstützung einiger europäischer Verbündeter den Iran.

Die iranischen Revolutionsgarden greifen ihrerseits das Heilige Land sowie zahlreiche Nachbarstaaten im Mittleren Osten an und drohen damit, die gesamte Region militärisch und wirtschaftlich in Schutt und Asche zu legen.

Hätte dieser Krieg sein müssen? Darf man/frau im sommergedörrten Wald sich eine Zigarette anzünden, weil sie es kann oder er es für richtig hält? Kontrolliert er den zu erwartenden Funkenflug genauso gut wie seine Nikotinsucht? Hat der Raucher den Flächenbrand im Griff? Die brennende Zigarette gleicht der immer gleichen Ankündigung, lediglich gezielte Luftschläge führen zu wollen und war schon vor einem Vierteljahrhundert, als die USA einen „chirurgisch sauberen Krieg“ gegen das irakische Regime führten, kaum zu glauben. Ist das Leid, das dadurch entstanden ist, anders als der Schmerz eines normalen Krieges? Und wie unterscheidet sich das Elend der Menschen in einem ordinären Waffengang vom aktuellen Krieg mit seinen gezielten „Enthauptungsschlägen“? Kann man/frau das Blutzoll dieses Krieges mit seinen vermeintlich hehren Zielen rechtfertigen? Sind die Qualen der Menschen, auf die im Iran Bomben schutzlos herabregnen, bloß Mittel zum Zweck? Bis zu welcher Größenordnung ist ein ziviler Schaden ein Kollateralschaden? Ab wie viel Toten kann man ihn nicht mehr so nennen?

Der Iran schießt fast wahllos Raketen und Drohnen zurück. Mit einem ersten Angriff auf die britische Militärbasis in Zypern und der „versehentlichen“ Rakete in Richtung Türkei hat der Brand auf benachbarte „Waldgebiete“ übergegriffen. Frankreich hat nach Großbritannien und Griechenland Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer verlegt. Noch einmal: hätte es diesen Krieg geben müssen? Bei den Atomgesprächen zwischen dem Iran und den USA in Genf hatte sich die iranische Delegation in letzter Minute zu weitreichenden Geständnissen bereit gezeigt, kein Uran mehr anzuhäufen im eigenen Land. Das war Teil eines vor Kurzem noch undenkbar scheinenden Angebots, das eine gute Basis hätte sein können für ein neues Atomabkommen. Haben die für die USA verhandelnden Nicht-Diplomaten Stefe Witcoff und Jared Kushner tatsächlich alles verstanden, was da vor ihnen auf dem Tisch lag? Kann man mit der zu diesem Zeitpunkt offensichtlich fast abgeschlossenen Vorbereitung zu einem seit längerem geplanten Krieg noch ehrlich verhandeln? Worin unterschieden sich dies Verhandlungen von den für die beiden Amerikaner gewohnten Finanz- und Immobiliendeals? Welche Werte spielen in diesem Kontext noch eine Rolle? An welche Rechte glauben Dealmaker?

Jetzt also Krieg! Ist genau definiert, was der erreichen soll? Mal sagt Donald Trump, das Regime im Iran müsse weg. Mal will er verhindern, dass der Iran eine Atomwaffe baut. Dann heißt es wieder, der Iran hätte kurz vor einem Angriff gestanden. Welche stichhaltigen Beweise gibt es dafür? So viele, will heißen so wenige, wie dafür, dass der Iran bis zuletzt an einer Atomwaffe gearbeitet hätte?  Eines ist fraglos: man/frau darf dem iranischen Regime keinerlei Sympathie entgegenbringen. Es muss weg! Die iranische Republik hat in den 47 Jahren ihrer Existenz einen Unterdrückungsstaat aufgebaut: Zehntausende sind in den Gefängnissen verschwunden, gefoltert und getötet worden und die Menschen verarmen. Eine Mittelschicht gibt es fast nicht mehr. Auch wenn das Regime die Macht noch hat, ist klar, dass die islamische Republik gescheitert ist. Dass sich die Iranerinnen über den Tod des obersten Führers Ayatollah Alrafi Khomeini mehrheitlich gefreut haben, ist verständlich angesichts des tiefen Schmerzes, den er ihnen über Generationen hinweg zugefügt hat.

Wenn die USA im Iran „fertig“ seien, sagt US-Präsident Trump, solle die Bevölkerung übernehmen und die Bevölkerung stürzen. Das klingt verlockend: endlich die Unterstützung aus den USA, die auch im Land von einigen herbeigesehnt worden ist. Endlich ein Weg zur Freiheit. Doch Militärexperten bezweifeln, dass Luftschläge das Regime ablösen können. Wahrscheinlich sind auch nach dem Ende der Kampfhandlungen noch genug Regimeschergen unter Waffen. Warum sollten sie nicht erneut auf Demonstrierende schießen? Wie ernst nimmt Trump die Menschen im Iran, denen er schon im Januar Hilfe versprochen hatte? Wie viel Zynismus steckt in dem „Plan“, mit massiver militärischer Macht anzugreifen und dann an eine unbewaffnete Bevölkerung abzugeben, die erst in kurzer Zeit den Zwölf-Tage-Krieg im Juni, dann das Massaker im Januar und jetzt diesen Krieg erlebt hat? Eine Strategie ist das nicht! Es ist ohne Zweifel menschenverachtend und Ausbund einer Politik, für die Menschenleben das geringste Problem darstellen.

Wir wenden uns gegen jede Form von Faustrecht in der internationalen Politik und gegen ein globales Agieren, das jeden Tag neu nach Gutdünken und Eigennutz über Gut und Böse entscheidet. Wir fordern eine Stärkung der Vereinten Nationen und des Internationalen Gerichtshofs. Wir kämpfen für eine Politik, für die die Menschlichkeit die oberste Maxime bei der Lösung ihrer Konflikte darstellt.

Stefan-Bernhard Eirich, Bundespräses der KAB Deutschlands

 

Als Gebets- und Fürbitttext verweisen wir auf das Friedensgebet zur Lage in Nahost von Bischöfin Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der EKD:

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